Noch 49 Tage bis zum 21. Sachsen-Anhalt-Tag 2017

Stresstest

Toni Klette steuert einen Lkw die Hohetorstraße entlang. Es ist ein imposantes Fahrzeug, rund 16 Meter lang. Klette reduziert die Geschwindigkeit, runter auf Schritttempo. Dann dreht er am Lenkrad und biegt in die Sangerhäuser Straße ein. Es ist eine der heikelsten Stellen seiner Fahrt, eine scharfe Kurve, ziemlich eng. Doch für Klette ist das keine allzu große Sache. Souverän bugsiert er seinen Truck um die Ecke. „Wenn man genug ausholt, dann passt es“, sagt er.

Klette fährt an diesem Tag aus einem besonderen Grund mit seinem Gefährt durch die Lutherstadt Eisleben. Er testet jene Strecke, auf der am 18. Juni im Zuge des Sachsen-Anhalt-Tages der große Festumzug stattfinden wird. Denn auch da werden sehr große Fahrzeuge erwartet.

Überblick über das Veranstaltungsgelände für den Sachsen-Anhalt-Tag in Eisleben

 „Zwar gibt es jährlich zum Eisleber Wiesenmarkt einen Umzug, aber der im Juni wird diesen bei weitem übertreffen“, erläutert Stadtsprecher Maik Knothe gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung. Knapp 4.000 Akteure, etwa 20 Tiere und zahlreiche Fahrzeuge würden an dem Festumzug teilnehmen. „Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir die Strecke mit einem großen Truck einmal abfahren, um zu sehen, wo sind wirklich die Engstellen und wo müssen wir gesondert absperren. Bei der Einfahrt aus der Hohetorstraße in die Sangerhäuser Straße müssen wir eine Kurve von über 90 Grad bewältigen, das wird für einige Fahrzeuge die größte Herausforderung“, erläutert Norbert Schulze, Leiter Ordnung und Sicherheit bei der Stadt. Und Kulturamtschefin Ute Klopfleisch sagt: „Es ist zwar fast die gleiche Strecke wie beim Umzug zur Wiese, aber wir sind gut beraten, das noch einmal zu testen.“

Festumzug zum Sachsen-Anhalt-Tag in Eisleben soll 2,6 Kilometer lang werden

Dabei gehe es auch darum, zu sehen, wie lange man für die Strecke brauche, meint die Kulturamtschefin. „Die Gretchenfrage ist: Schaffen wir den Umzug im Zeitrahmen?“ Während beim Wiesenumzug im vergangenen Jahr 1.222 Personen teilnahmen, seien es beim Festumzug zum Landesfest im Sommer eben doch deutlich mehr. Der Umzug sei stattliche 2,6 Kilometer lang. „Das ist schon etwas anderes“, so Klopfleisch.

Lastwagen-Fahrer Klette macht die Strecke jedoch keine großen Schwierigkeiten. Er steuert den weißen Truck nun in Richtung Markt, wo reger Betrieb herrscht und viele Eisleber an den Ständen frische Lebensmittel kaufen. Ab und an quert jemand die Straße, Klette fährt dementsprechend langsam. Neben ihm im Fahrerhaus sitzt Susann Gabriel, die Leiterin des Organisationsteams des Sachsen-Anhalt-Tags. Sie blickt nach links und rechts aus den Fenstern, schaut, wie eng die Strecke ist. Man müsse gerade oben in der Sangerhäuser Straße genau hinschauen, sagt sie, denn anders als beim alljährlichen Wiesenumzug gebe es ja dort den Mittelaltermarkt und damit Hütten.

Stresstest soll Fragen zur Sicherheit klären.Ein Stresstest durch die Innenstadt - das war schon in den vergangenen Jahren Teil der Vorbereitungen auf den Sachsen-Anhalt-Tag. Anders als nun in Eisleben, wo der Test 50 Tage vor dem Landesfest stattfand, wurde er im vergangenen Jahr in Sangerhausen jedoch schon rund 300 Tage vor dem Ereignis durchgeführt. Bei einem solchen Test werden vor allem Fragen der Sicherheit geklärt, es werden Stellen ausfindig gemacht, die abgesperrt werden, damit der jeweilige Festumzug reibungslos läuft.

Landesfestumzug startet vom Freistraßentor.

Draußen wiederum, ein paar Meter vor dem Truck, läuft Gerald Fuchs mit, Berater für den Sachsen-Anhalt-Tag. Er bleibt zwischendurch stehen und holt sein Handy raus, um Fotos von dem Lastwagen zu knipsen, wenn dieser besonders heikle Stellen passiert. Die Fotos, erläutert Fuchs, wird er später auswerten, um dann einen Plan zu erstellen. In diesem Plan werde dann festgehalten, an welche Stellen an der Route die Absperrgitter kommen, die die Besucher des Festumzugs schützen sollen.

Umzugsstrecke in Eisleben wird nicht komplett abgesperrt

Auch wenn der Plan noch nicht vollständig steht, weiß Fuchs allerdings bereits, wie es ungefähr aussehen wird, wenn sich der Festumzug vom Freistraßentor über die Nußbreite, die Hohetorstraße und Sangerhäuser Straße sowie Markt und Plan bis zur Lindenallee und Karl-Fischer-Straße bewegen wird. „Wir werden nicht komplett absperren, sondern nur an den schwierigen Stellen“, sagt Fuchs.

Zu jenen Stellen gehöre etwa eben jene Kurve zur Sangerhäuser Straße, darüber hinaus der Marktplatz selbst sowie Teile von Plan und Lindenallee. In Sachen Absperrungen unternehme man „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“, sagt der Eventmanager Fuchs, der schon bei insgesamt 13 Landesfesten als Berater dabei war.

Der Lkw von Toni Klette biegt nun in die Lindenallee ein und fährt in Richtung Wiesengelände. Die Fahrt ist beendet. „Stresstest bestanden“, sagt Berater Fuchs. Was die Strecke für den Umzug angeht, sieht er wenig Probleme. „Da hatten wir schon deutlich schwierigere Städte.“ (mz)

– Quelle: http://www.mz-web.de/26780726 ©2017

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